Grabung


R. Turck, L. Reitmaier-Naef, Ph. Della Casa: Universität Zürich, Institut für Archäologie, FB Prähistorische Archäologie*



Ausgangslage

Das Oberhalbstein zwischen Tiefencastel und Julierpass ist seit längerer Zeit aufgrund seiner Fundlage und Datierungen als prähistorisches Kupferbergbaugebiet bekannt. Allerdings sind die bekannten Metallurgiefunde aus Siedlungen (cf. Savognin-Padnal), die zahlreichen Verhüttungs- plätze mit Schlackenhalden und die bekannten Vererzungszonen bislang nie systematisch archäo- logisch und archäometallurgisch untersucht worden. Das in 2013 gestartete neue Projekt zum prähistorischen Bergbau im Oberhalbstein (seit 2015 ein DACH-Projekt in Kooperation mit den Universitäten von Innsbruck und Bochum) hat zum Ziel, diesem Sachverhalt mit einer breit angelegten, archäologischen und analytischen Grundlagenforschung zu begegnen, und einen komparati- ven Kontext zu anderen, weit besser bekannten Bergbaugebieten der Alpen (cf. Mitterberg, Österreich) herzustellen.

*SNF (DACH) Projekt Nr. 100011E-153668 / in Koop. mit Archäologischer Dienst Graubünden



Zur Rekonstruktion der Chaîne Opératoire (Metallurgiekette) - vom Erz zum Metall: Befunde

Wir rekonstruieren die einzelnen Schritte der primären Metallverarbeitung:
1. Bergbau
2. Erzaufbereitung 
3. Verhütten

1. Der Prähistorische Bergbau


Erstbegehung des Stollen von Vals
Das Mündlich der feuergesetzten Grube
























Der eindeutige Belege für intentionellen Bergbau durch Feuersetzen können wir durch den dendrodatierten Stollen, der über 30m lang und von der Sohle weit über 7m hoch ist, belegen. Eine kleine Sondage am Stollort führte Holzkohlen, die die Grube indes 8. oder 7. Jahrhundert v. Chr. datieren. An Firste und Berme sind die Sekundärminerale (Malachit) Zeuge für die einst ausgebeutete Erzader. 

Weitere Erzabbauspuren vermuten wir in Cotschens, wo wir mit Hilfe des Schweizer Militärs und den Freunden des Bergbaus Graubünden im August 2017 einen ebenfalls feuergesetzen Stollen untersuchen konnten. Eine absolute Datierung des Fundplatzes steht noch aus.

Erze und Halde(n): Die rostrote namensgebende Fundlage um Cotschens


Zudem können wir vermuten, dass der so genannten Pingenbau angewendet wurde. Dabei werden Gruben ausgehoben und von dort aus Erzgänge verfolgt. Gut erkennen kann man diese "Mulden"/Pingen im Schnee:


Das Pingenfeld von Gruba (II)
Schnitt durch eine Hale im Pingenfeld:: Knochenarbeit
























Natürlich besteht die Möglichkeit, dass in der Metallzeit auch obertägig sichtbare Erzlagerstätten ausgebeutet wurden. Vielleicht finden wir eine solche Situation unmittelbar überhalb des Mamorerastausees vor. 


Vom Seewasser frei gespült: Eine
oberflächennahe Vererzung ma Steilhang

2. Die Erzaufbereitung

Alles können wir noch nicht belegen: Uns fehlen archäologische Nachweise von Plätzen, wo das aus dem Fels gebrochene Material zerkleinert und gewaschen wurde! Derartige Befunde kennen wir vom Mitterberg oder aus dem mittleren Inntal (beides A). Hier steht also noch einiges an Forschung an.

Dafür haben wir auf der Alp Natons 2015 ein Röstbett frei gelegt: Dort wurde der Kupferkies "geröstet", so dass etwa der Schwefel daraus verbrennen konnte. Dieses "Rösten" ist aber schon die erste Vorstufe zum Verhütten.

Gutes Auge: Beim Prospektieren entdeckte unser Team unter dem Wanderweg einen zentralen Befund...

...die Steinsetzung des Röstbetts auf der Alp Flix nach der Ausgrabung auf fast 2000m Höhe.



3. Die Verhüttung


Verhüttungsplätze "Gruba" und "Val Falle, Plaz"

Zwischen 2013 und 2017 sind die meisten Energien der "grabenden Arbeiten" in die flächige Dokumentation der beiden Verhüttungsplätze auf über 1850 bzw. 1740m Höhe knapp unterhalb der Waldgrenze investiert worden:

Gruba:


Auf annähend 200 Quadratmetern Fläche sind die Reste von mehreren Öfen, einem möglichen Röstbett und tonnenweise Schlacken ausgegraben worden. 

Wohin das Auge blick: schwarze Holzkohleschichten im Planum...

... und mächtig im Profil! Human Impact!

Erste Annäherungen an den Verhüttungsbefund:

Und mitten drin der erste Verhüttungsofen:
 Hier als 3D-Modell (Foto: CulturARTis


Luftbild der Grabung "Gruba, 2014 (Foto: K. Powroznik): Der Ofen rechts in der Sondage.




Val Faller Plaz: 

In der wunderschönen Landschaft liegt unter 2 Metern Murengang der spektakuläre Befund einer riesigen Schlacken mitsamt zweier Verhüttungsöfen!


Graben bei Wind und Wetter: Der Verhüttungsplatz kostet alle Energie.

Ofen 1: Handwerkliches Geschick beim Ausgraben


Ofen 2 - "ausgelöffelt"

Ausblick


Die Rekonstruktion der chaîne opératoire ist noch lange nicht abgeschlossen! Wir werden euch auf dem Laufenden halten!


Glück auf!






















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