Holzkohle-Proben
Leitfaden zur Erkennung, Bergung und Lagerung
Anna Bahß, Universität Zürich,
Institut für Archäologie, Fachbereich Prähistorische
Archäologie
1. Einleitung und Allgemeines
Für
die Lehr- und Forschungsgrabung im Oberhalbstein (OHS) stellt die Fundgattung
Holzkohle (HK) eine der wichtigsten Fundgattungen überhaupt dar. Mit ihrer
Hilfe können Datierungen vorgenommen und es kann mehr über
Verhüttungstechnologie, Holznutzung und human
impact der eisenzeitlichen Bewohner herausgefunden werden. Deshalb ist es
sehr wichtig, potentielle Proben
1) zu erkennen, 2) korrekt zu entnehmen und 3) korrekt zu verpacken.
Die
wichtigsten Punkte in den drei Bereichen werden im Folgenden erläutert. Bitte
folgt dem Leitfaden und lest das Blatt aufmerksam, da sonst die Funde und damit
wichtige Erkenntnisse verloren gehen oder verfälscht werden könnten.
Bei
generellen Fragen zum Thema wendet euch an Anna, Monika und Amir,
die in den verschiedensten Bereichen rund um die HK des OHS weitreichende Kenntnisse
besitzen.
Grundsätzlich
ist die Strategie zur Bergung, Dokumentation und Lagerung der Funde mit dem
Archäologischen Dienst Graubünden, Dendrochronologen und Anthrakologen
definiert worden.
2. Grundlagen: Dendrochronologie –
Radiocarbondatierung – Anthrakologie
Dendrochronologische Analysen können vorgenommen werden, da HK auch bei Verbrennung
Jahrringstrukturen beibehält. Die Grundlagen sind hier generell gleich wie bei
unverkohltem Holz (Abb. 1). Die Jahrringe (JR) sind allerdings oftmals schwerer
zu erkennen. Für die Dendrochronologie braucht man Einzelproben von möglichst
hoher Qualität mit vielen Jahrringen.
Da
HK im wesentlichen Kohlenstoff enthält, kann sie natürlich auch mittels Radiocarbondatierung (14C) bearbeitet
werden. Hierbei ist jedoch vor allem der Altholzeffekt problematisch (vgl.
BA-Arbeit von Amir), was bei der Analyse kleinster Fragmente von HK beachtet
werden muss. Ist die Erhaltung der HK fragmentarisch, bietet die 14C-Datierung
dennoch einen unverzichtbaren Anhaltspunkt, um das Alter von Fund und Befund
eingrenzen zu können.
Anthrakologie bezeichnet allgemein die Studie von HK. Hier sind viele Teilbereiche
angeschlossen – für die Archäologie ist sie relevant, da sie über statistische
Verfahren und Holzartenbestimmung mehr darüber aussagen kann, welche Hölzer
Menschen in welchem Kontext nutzten und welche Rolle der Naturraum und seine
Veränderung bei der Holznutzung spielt/e. Für die Anthrakologie sind
Einzelstücke, aber vor allem auch holzkohlereiche Bodenproben (je nachdem 3-10
Liter) wichtig. Die Holzart kann mit etwas Glück sogar für Stücke von nur einem
mm Dicke bestimmt werden.
Lesetipp: I. Théry-Parisot/L. Chabal/ J.
Chrzavzez, Anthracology and
Taphonomy, from Wood Gathering to
Charcoal Analysis. A Review of the
Taphonomic Processes Modifying Charcoal Assemblages, in Archaeology Contexts. Palaeogeography, Palaeoclimatology, Palaeoecology 291, 2010,
142-153.
Abb. 1: Schnitt durch ein HK-Fragment, zahlreiche Jahrringe erhalten (Foto ADG).
3. Im Feld: Dendro- und 14C-Proben
1) Erkennen
Achtet
auf alle HK-Stücke, denn die Grösse ist nicht ausschlaggebend für
die JR-Zahl! Auf der Grabung gibt es jeweils eine Person (Anna/Monika/Amir),
die die Stücke näher auf ihre Qualität überprüft. Meldet euch bei ihnen, wenn
ihr das Potential eines Stückes bewerten wollt.
Sonst gelten folgende „Faustregeln“:
-
Manchmal kann man die JR im
Sonnenlicht erkennen – sie schimmern silbrig.
- JR sieht man, wie auch bei Holz,
nur auf der Querschnittseite. Diese können aber stark verschmutzt/sehr eng und
deshalb „unsichtbar“ sein. → Die zuständige Person kann HK anschneiden, um JR
sichtbar zu machen (nichts wegwerfen, nur weil ihr nichts erkennt!).
-
Härtere Stücken haben oft mehr JR
als weichere (wegen der Dichte).
-
Eine Probe mit ca. 30+ JR gilt als
gut.
- Zerquetschte, stark aufgeweichte
Stücke (Brösel) und Stücke mit Asteinwuchs sind als Dendroproben unbrauchbar.
-
Astholz eignet sich gut für 14C-Datierungen
(trotz geringer Grösse bitte mitnehmen).
-
Stücke mit 50+ JR sind gut für
Wiggle Matching geeignet.
2) Entnahme
- kein Kratzen mit der Kelle,
sondern vorsichtiges „drumherum arbeiten“ (Probe kann ruhig mit etwas Erde
entnommen werden).
- „Holzkohlenester“ (viele Stücke konzentriert an einem Punkt wie in
einem Verband) bitte gemeinsam und möglichst ungestört entnehmen
3) Verpacken
-
Einzelprobe = Einzel-FK (FK =
Fundkomplex)
- Nester u.ä. = Sammel-FK (in seltenen Fällen, wie beispielsweise Pareis
I, trat so viel HK auf, dass man wegen der Menge für alle Stücke aus einem
Abschnitt eine Sammel-FK wählte und sie später einzeln überprüfte →
situationsabhängig).
- I stabil
und gepolstert in Alufolie einwickeln à nicht
knüllen, sondern falten, da die Proben sonst nur schwer ausgepackt werden
können; bei Gefahr eines Bruchs bitte Stütze aus Alufolie formen und eng um
Probe legen; Alufolie erfüllt eine Doppelfunktion: Schutz vor Stössen und
Austrocknung (grösste „Feinde“ der HK)!
- II Probe sehr feucht → eingewickelte Probe in ein
atmungsaktives Minigrip (gelocht) legen (Schimmelgefahr); wenn nicht, ist kurzfristig
auch ein normales Minigrip ausreichend.
- III Bei der Beschriftung, wenn JR gezählt/geschätzt,
ungefähre JR-Zahl sowie intendierten Nutzen der Probe angeben, Bsp. JR 50+
Dendro.
4.
Im Feld: Anthrakologie
1) Erkennen
Wenn
ihr bei der Arbeit schwarze Verfärbungen und HK-Flitter im Boden seht, haltet
ein! Diese Stelle könnte sich für eine anthrakologische Bodenprobe eignen.
Generell geht es um die Anzahl der Flitter/ HK-Stückchen im Boden sowie deren
Grösse. Stücke bis zu einen Millimeter können unter Umständen noch bestimmt
werden. Um sicherzustellen, dass genügend Fragmente für eine Auswertung
vorliegen, muss ausreichend Sediment, in dem die HK gelagert ist, entnommen
werden. Aber auch einzelne Fragmente und ganze Stücke sind für die
Anthrakologie relevant. Es muss dann jeweils abgesprochen werden, worauf der
Fokus liegt. In der Vergangenheit wurden viele anthrakologische Bodenproben aus
unterschiedlichen Befundkontexten im OHS entnommen.
2) Entnahme
- Achtung! Fragt euch zuerst, ob eure Stelle ausreichend Fundmaterial hergibt, um
für eine Probe genutzt zu werden, denn: Bei einer Bodenprobe heisst die
magische Zahl fünf Liter, wobei einige bei guter Fragmentzahl auch drei Liter
empfehlen, bei schlechter aber sogar zehn!
- Kratzt auf keinen Fall weiter mit
der Kelle, um den Behälter zu füllen, da so HK weiter zerkleinert und das
Ergebnis verfälscht wird (es entstehen auch Mehrkosten wegen der höheren
Fragmentzahl)!
-
Mischt auf keinen Fall Erde aus
verschiedenen Flächen bzw. Befunden!
- Einige anthrakologische Samples
werden auch aus Einzelstücken und durch Aufsammeln ohne Sediment gewonnen, was
von der jeweiligen Strategie und Grösse der möglichen Fragmente abhängt und
vorher im Dokumentationsteam besprochen werden sollte (dieser Abschnitt bezieht
sich aber vor allem auf Bodenproben).
3) Verpacken
- Benutzt stabile Kisten, notfalls
reissfeste Müllsäcke, um die Proben zu verpacken.
- Beschreibt die Proben mit wasserfestem
Stift, auf keinen Fall mit Bleistift, da die hohe Feuchtigkeit die Zettel
aufweicht (bei Müllsäcken legt ihr einen Zettel innen in die Probe und bringt
aussen einen an → Zuordnung auch bei Verlust eines Zettels).
-
Lasst den Deckel der Kiste/des Sacks
im Lager immer wegen der Schimmelgefahr geöffnet.
5.
Zum
Schluss
- Ein Blick hinter die Kulissen (Abb. 2) und voller (methodischer)
Perspektiven (Abb. 3):
Abb. 2: Der Arbeitsplatz des
Dendorchonologen/Anthrakologen
Abb. 3: Tagungsbegleitband
„anthraco 2015“ in Freiburg, Br.
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